Ernährung bei Autoimmunerkrankungen

By 14. Januar 2019Einfach gut
Bild Ruth Moschner Fotocredits Bernd Jaworek

Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, habe ich das Gefühl, die Zahl der aktiven Autoimmunerkrankungen nimmt immer mehr zu. Während ein gesunder Körper stets sinnvolle Abwehrreaktionen hervorbringt, richtet sich das System mit einer Autoimmunerkrankung gegen sich selbst und zerstört körpereigenes Gewebe.

Neurodermitis, Multiple Sklerose, Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa, Zöliakie… Bei Typ-1-Diabetes werden die Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse zerstört. So kann kein Insulin mehr produziert werden, welches die Glukose in unsere Zellen transportieren muss, damit wir mit Energie versorgt sind. Diese Autoimmunerkrankung bricht meist im Kindesalter, oder bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus. Schauspielerin Halle Berry ist davon betroffen, aber auch Gewichtheber und Moderator Matthias Steiner. Ebenso organspezifisch ist Hashimoto thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, welche, wie auch bei Morbus Basedow, das Gewebe der Schilddrüse angreift. Hashimoto beginnt oft, wie Morbus Basedow mit einer Überproduktion an Schilddrüsenhormonen, geht aber dann in eine sogenannte Unterfunktion über. Gemessen werden spezielle Antikörper im Blut, jedoch sind bei vielen Patienten mehrere Messungen nötig. Das liegt daran, dass bestimmte Nahrungsmittel, Hormone oder aber auch Stadien dieser Autoimmunerkrankung die Deutlichkeit der Antikörper beeinflussen. Viele Patienten haben einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie eine Diagnose erhalten. Natascha Ochsenknecht, Vanessa Blumhagen haben beide ihre Hashimoto-Erkrankung öffentlich gemacht. Ebenso Model Gigi Hadid. Die Sängerin SIA ist an Morbus Basedow erkrankt. Die wohl bekannteste systemische Autoimmunerkrankung ist sicher die rheumatoide Arthritis. Der Sänger Seal, aber auch Selena Gomez sind an Lupus erkrankt, genauer systemischer Lupus erythematodes. Hier ist nicht nur ein Organ betroffen, das Immunsystem agiert unspezifisch und kann an mehreren Stellen die Zellkerne zerstören. Ähnlich wie bei Hashimoto ist das Beschwerdebild der Patienten nicht eindeutig zu definieren. Daher ist es auch hier unwahrscheinlich schwer, eine treffende Diagnose zu stellen.

Autoimmunerkrankungen heilen

In der Schulmedizin gelten eigentlich alle Autoimmunerkrankungen als unheilbar. Pauschale Therapien sind bisher nicht bekannt.
Es gibt jedoch viele Möglichkeiten, das Immunsystem wieder “zur Ruhe kommen” zu lassen und den Körper zu unterstützen. Vorsichtig und mit viel Geduld. Da das Immunsystem bei einer Autoimmunerkrankung nicht “normal” reagiert und sich gegen das körpereigene Gewebe richtet, kann eine zu starke Unterstützung die Symptome verschlechtern kann. Daher sind die ersten Schritte immer eher ein “Weglassen” von möglichen Faktoren. Ich beschränke mich hier auf dem Blog erst einmal nur auf die Ernährung:

Ernährungsprotokoll

Zu Beginn sollte man für vier Wochen komplett auf Gluten, Soja, Milcheiweiß und Mais verzichten und dabei beobachten, wie sich das Beschwerdebild verändert. Natürlich muss nicht täglich Tagebuch geführt werden. Es reicht, eine anfängliche Bestandsaufnahme und eine Zwischenbilanz am Ende jeder Woche. Achtung, gerade diese vier Proteine sind in vielen Fertigprodukten, Soßen und Fast Food enthalten.

Körper entlasten

Fällt die Bilanz nach vier Wochen Elimination der Vier positiv aus, das heißt, die Krankheitssymptome verschwinden, kann man sich nun sogar daran machen, ein Eiweiß (Gluten, Milch, Soja oder Mais) wieder in den Ernährungsplan zu integrieren. Es gibt kein offizielles Ranking, welches nun das ungünstigste Eiweiß bei Autoimmunerkrankungen ist. In den meisten Fällen bleiben die Betroffenen bei vollkommenem Glutenverzicht, oft auch bei Tiermilch-Verzicht, wobei auch hier die Verträglichkeit zwischen Kuh-, Schaf-, Ziegenmilch und Co. variiert. Es kann durchaus sein, dass auch Büffelmilch vertragen wird. Probiert es einfach aus, esst z.B. einen Tag wieder etwas mit einer Milchsorte und beobachtet danach für zwei, drei Tage, ob sich etwas verändert. Wichtig ist, immer nur um eine Sache zu ergänzen und abzuwarten, damit hinterher klar der Übeltäter ausgemacht werden kann.

Nachtschattengewächse

Verschwinden die Symptome nach Weglassen der Vier allerdings leider nicht, kommt Stufe Nummer zwei des Weglassens: die Nachtschattengewächse. Das bedeutet für die nächsten vier Wochen kommt zum Verzicht von Gluten, Mais, Soja und Milcheiweiß auch der Verzicht von Tomaten, Auberginen, Kartoffeln, Paprika und Co. hinzu. Nachtschattengewächse sind gesund, können aber bei Menschen mit Verdauungsproblemen, aber eben auch bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen, bei denen oft der Darm auch in nicht optimal arbeitet, Beschwerden auslösen.

Ähnlich verhält es sich mit Hülsenfrüchten. Das mag an den sekundären Pflanzenstoffen, den Lektinen liegen, die sich jedoch durchs Ankeimen reduzierten lassen. Einen Artikel dazu findet ihr auch auf diesem Blog.

Paleo oder Vegan?

Viele Autoimmunerkrankte schwören auf die vegane Ernährung, andere widerum finden die Autoimmun-Paleo Ernährungsweise prima. Beides macht Sinn. In der veganen Ernährung verzichtet man auf Milchprodukte, beim Paleo fallen Gluten und Hülsenfrüchte weg. Ich finde das vorsichtige Herantasten am einfachsten umsetzbar, da man in diesem Fall zwar auf vieles verzichtet, aber sich nicht komplett auf eine Richtung festlegt. Entzündungshemmende Lebensmittel sind besonders hilfreich.

Der Darm als Schlüssel für Gesundheit

Ich habe es bereits erwähnt, dass der Darm eine große Rolle bei Autoimmunerkrankungen spielt. Zum einen wissen wir, dass 80 Prozent unseres Immunsystems dort gebildet werden. Zum anderen benötigt unser Körper gerade in so einer Situation jede Menge Nährstoffe, die nur eine gesunde Darmschleimhaut transportieren kann. Das heißt, ist man körperlich in der Lage, empfiehlt es sich, eine Darmsanierung anzugehen. Dies sollte immer vor einer Entgiftung stehen.

Stress

Warum eine derartige Erkrankung ausgelöst wird, kann sich die Schulmedizin bisher nicht eindeutig erklären. Man weiß aber inzwischen, dass auch Stress eine wichtige Rolle spielen kann. Zucker, Koffein und andere Genußgifte, die den Körper direkt oder indirekt unter Stress setzen, sind daher zumindest zu reduzieren, wenn möglich sogar zu meiden. Es gibt natürlich noch viele andere Methoden zur Stressbewältigung. Einige davon findet ihr in meinem Buch Total Detox – Was Sie schon immer mal loswerden wollten”.
Auch chronische Virusinfektionen wie Herpes oder Epstein-Barr werden immer häufiger in Verbindung mit Autoimmunerkrankungen genannt. Das wäre aber nochmal ein extra Kapitel.

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Ausprobieren!

Author Ruth Moschner

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