Warum ist Zucker ungesund?

By 25. Mai 2019Einfach gut
Ruth Moschner Zuckerentzug

Da so viele nach einem Artikel über Zucker gefragt haben, habe ich hier mal meine Ansicht zu diesem Thema, versehen mit einigen Fakten, niedergeschrieben. Zucker ist in den letzten Jahren ein bißchen die Naddel unter den Lebensmitteln geworden.

Früher gehyped, aktuell ziemlich abgestürzt. Ansonsten haben die beiden aber relativ wenig gemeinsam.
Um die ganze Sache zu verstehen, muss man wissen, dass unser Körper Glukose (ein Einfachzuckermolekül) als Brennstoff braucht. Klar, wir können die Tanke auch irgendwie anders befeuern, aber das bedeutet, mehr Aufwand und am Ende des Tages läuft vor allem unser Grübelkasten auf dem Hals aka le Gehirn schlicht und ergreifend nicht ohne Glukose.

Der Ursprung liegt in der Steinzeit
Das Bedürfnis nach Süßem ist tief in uns verankert. Man stelle sich einen Steinzeitmenschen vor, der den ganzen Tag durchs Dickicht wandelt und auf Knollen und Wurzeln herumkaut. Verdauungssäfte waren also damals noch reichlich vorhanden, dank Bitterstoffen in den Pflanzen. Einmal im Monat gab es dann vielleicht ein Wildschwein, welches voller Anstrengung gejagt werden musste, ansonsten meist vegan plus darauf lebender Raupe. Das Highlight: je nach Saison süße Früchte vom Baum oder Strauch. Süß bedeutet schnell verfügbare Energie ohne großen Aufwand, also wurde schon damals beim Fund einer Obstlichen Oase möglichst hemmungslos reingehauen.
Da Früchte ein Gesamtpaket sind, also neben Glukose und Fruchtzucker (die unsere Leber widerum in Glukose verwandeln kann), u.a. auch Vitamine, Mineralsstoffe und Ballaststoffe liefern, ein komplexes Wunderpaket an tollen Inhaltsstoffen also, ist dies eine tolle Form der Nahrungsaufnahme.
Dass aber im Laufe der Jahre die Industrie Möglichkeiten erfunden hat, den Zucker zu extrahieren und schnell verfügbar zu machen, wird vielen inzwischen zum Verhängnis.

Zucker erhöht den Insulinspiegel im Blut
Industriezucker, den wir alle als Haushaltszucker kennen, besteht aus einem Glukose- und einem Fruktosemolekül. Soweit, so in Ordnung. Das Problem ist aber nicht nur die schnelle Verfügbarkeit. Unser Körper muss im Grunde nur Glukose und Fruktose trennen und hat bereits das, was die Zellen brauchen. Die Glukosemoleküle kommen durch die Dünndarmwand ins Blut, dort werden sie mit dem Insulin zu den Zellen transportiert und schon läuft der Motor wieder rund. Insulin, ein Hormon aus der Bauchspeicheldrüse schließt aber nicht nur dem Zucker die Zellen auf. Es macht uns auch Appetit auf mehr. Solange Insulin im Blut ist, bekommt der Körper Signal für noch mehr Zucker, und die Fettverbrennung wird gestoppt.
Nicht nur Zucker kann die Insulinausschüttung auslösen. Auch Stress hat diese Fähigkeit. Denn Stress bedeutet Gefahr, bedeutet: wir wollen sofort flüchten und das können wir nur mit Energie. Durch den Insulinschub kann jeglicher verfügbarer Zucker in die Zellen gebracht werden und eben für solche Energie sorgen. Heißt im Umkehrschluss: Stress veranlasst unsere Nebennieren über Cortisol, unser Stresshormon die Menge an Insulin zu beeinflussen. Und so kann chronischer Stress auch dick machen.

Zucker raubt uns Mineralstoffe Während eine Frucht, ein Gemüse oder Getreide mehr oder weniger lange Kohlenhydratketten im Verbund mit Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen liefern, kommt Industriezucker ohne das aus. Das heißt, wir haben nicht nur eine Null-Bilanz, wenn wir die Energie abziehen, wir geraten sogar in eine Negativbilanz. Warum? Bei Stoffwechselvorgängen entstehen oft nicht nur positive Effekte. Das muss man sich wieder ein bißchen vorstellen wie Tanken. Man gibt also das Benzin in den Tank, der Motor läuft, aber beim Auspuff kommt eine ziemlich eklige schwarze Puste raus. Unser Körper versucht natürlich auch das Beste herauszuholen, produziert aber auch Müll. Im Falle des Zuckers haben wir Glukose, also Energie, aber auch Essigsäure als Abfallprodukt. Damit die keinen Schaden im Körper anrichtet, muss diese zumindest in ein Salz umgewandelt werden und dafür benötigt unser Organismus Mineralstoffe. Bei Obst werden die mitgeliefert, bei Haushaltszucker müssen diese aus den Depots unseres Körpers geholt werden. Übersetzt bedeutet das, purer Zuckergenuss raubt dem Körper Reserven an Mineralstoffen.

Zucker bringt die Darmflora aus dem Gleichgewicht und macht süchtig Pilze und Bakterien lieben Zucker. Aus dem selben Grund wie wir. Schnell verfügbare Energie. Das Problem ist leider, dass eben diese Organismen sich schnell vermehren und dadurch die Darmflora aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann.

Natürlich gibt es noch andere Nachteile, zum Beispiel den, dass Zucker das selbe Suchtzentrum im gehirn anspielt, wie Heroin, oder auch Socialmedia-Tools. Zwar ist der Entzug nicht ganz so hart, aber inzwischen weiß man, dass diese Sucht durchaus ernst zu nehmen ist.

Was ist aber nun mit all den Zuckeralternativen. Hier möchte ich nochmals auf meine Geschichte aus der Steinzeit verweisen. Wir sind darauf gepolt, Süßes toll zu finden, weil Süßes uns schnell verfügbare Energie suggeriert.
Greife ich aber zu Süßstoffen, die keine Energie liefern, fühlt sich unser Körper veräppelt und es kann durchaus sein, dass er dadurch noch viel größeren Hunger verspürt. Viele raten daher dazu, Lightprodukte immer nur in verbindung mit Kohlenhydraten oder zumindest irgendwas zu essen zu konsiumieren, damit der Appetit direkt gestillt werden kann, bevor er in Heißhunger ausartet. Wir wissen ja alle, dass in solchen Situationen die Vernunft das Nachsehen hat.

Es gibt Süßstoffe, die künstlich hergestellt werden, die allerdings auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Aspartam zum Beispiel.
Stevia hingegen ist Süßkraut, eine Pflanze, die lange Zeit in Deutschland verboten war, inzwischen kann man sie aber sogar schon im Supermarkt verarbeitet kaufen. Ist Geschmackssache, schadet aber in Maßen nicht. Birkenzucker (Xylithol) ist eigentlich auch natürlichen Ursprungs, wird inzwischen aber meist aus Mais hergestellt, da muss man natürlich hinterfragen, ob das noch vertretbar ist. Außerdem vertragen viele das Xylithol nicht, bekommen Durchfall oder Blähungen, wenn sie es Mengenmäßig übertreiben, Haustiere sollten davon sowieso nichts konsumieren.

Die Fruktose-Falle Dicksäfte galten lange Zeit, wie Fruktose auch, als der Heiland. Fruchtzucker erhöht nämlich den Blutzuckerspiegel nicht und Diabetiker haben gejubelt. Bis man feststellte, dass Fruktose direkt in die Leber geht und dort in Glukose umgewandelt werden musste. Und jetzt kann man sich vorstellen, dass das in rauen Mengen genauso ungesund sein kann. Man spricht sogar in manchen Fällen vom Fruktose-Bauchspeck, weil dieser sich insbesondere als “Rettungsring” rund um den Bauch legen würde. Gerade der Bauchspeck beinhaltet oft Entzündungsauslöser und kann gesundheitsgefährdender sein als Hüftspeck besipielsweise. Bedeutet also auch hier, Dicksäfte und purer Fruchtzucker sind Mogelpackungen.

Pauschal kann man daher sagen: je weniger verarbeitet und möglichst pur ist “Zucker” am unschädlichsten. Obst, Beeren, mal ne Dattel… Ahorn- und Dattelsirup, Kokosblütenzucker (der besteht aus dem getrockneten Nektar der Kokosblüte), Melasse, Mascobado in Maßen sind o.k., sollten aber dennoch als Energiequelle und nicht als Grundnahrungsmittel eingestuft werden. Natürlich sind da noch ein paar Mineralstoffe übrig, die Hauptzutat ist und bleibt Glukose.Und da wir heutzutage nicht mehr permanent auf der Flucht sind, benötigen wir keine schnell verfügbare Energie, sondern eine moderate Versorgung. Und das ist immer nur in Verbindung mit Ballaststoffen gewährleistet.

Author Ruth Moschner

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